Die Antwort auf diese Fragen gibt Dr. med. Werner Meyer-Gattermann, Facharzt für Plastische Chirurgie und Leiter der Medical One in Hannover, in diesem Experteninterview.
Online Redaktion: Spielen Falten und der Zustand der Haut für das Schönheitsempfinden wirklich eine so große Rolle?
Dr. Meyer-Gattermann: Was wir allgemein unter schön verstehen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und liegt nicht zuletzt immer auch im Auge des Betrachters. Das jugendliche Äußere ist nur ein Aspekt des Schönheitsideals. Es wird eng verbunden mit Vitalität und Dynamik. Beides ist vergänglich. Falten machen uns dies bewusst und können deshalb zur Unzufriedenheit mit dem Spiegelbild führen. Auch wenn sie von anderen häufig gar nicht wahrgenommen werden. Durch eine Korrektur gewinnen die Patienten ihre Zufriedenheit zurück. Sie fühlen sich wieder wohl in ihrem Körper. Davon profitiert in der Regel auch das Selbstbewusstsein.
Online Redaktion: Wenden sich die Menschen normalerweise mit einem ganz konkreten Behandlungswunsch an den Arzt?
Dr. Meyer-Gattermann: Das ist sehr unterschiedlich. Viele Patienten fragen natürlich gezielt z.B. nach einer Faltenunterspritzung. Viel wichtiger ist jedoch zunächst die Frage, was genau der Patient als störend empfindet. Sind es wirklich einzelne ausgeprägte Mimikfalten? In diesem Fall kann ihm mittels Unterspritzung tatsächlich sehr gut geholfen werden. Oft wird die eigentliche Disharmonie jedoch durch ganz andere Faktoren verursacht, ohne dass dies dem Patienten bewusst ist. Ein müder Blick durch abgesunkene Brauen und größere Gewebsüberschüsse verschwindet durch eine Faltenunterspritzung nicht. Hier wäre eher ein Stirnlift angebracht. Am Anfang steht deshalb immer eine genaue Analyse der Ist-Situation und dementsprechend eine umfassende Beratung über die Lösungsmöglichkeiten.
Online Redaktion: Wie gewinnt der Patient eine Vorstellung von seinem zukünftigen Aussehen?
Dr. Meyer-Gattermann: Auch dies wird ihm im persönlichen Beratungsgespräch vermittelt. Anhand von Fotobeispielen lassen sich sehr gut die Details eines Faceliftings oder anderer Korrekturen darstellen. So kann sich der Patient durchaus ein realistisches Bild vom zu erwartenden Resultat des geplanten Eingriffs machen.
Online Redaktion: Überraschungen nach einem Eingriff sind also ausgeschlossen?
Dr. Meyer-Gattermann: Im Wesentlichen schon. Mit hundertprozentiger Gewissheit lässt sich das Ergebnis einer Schönheitsoperation natürlich nie vorhersagen. Wichtig ist, dass der Arzt den Patienten genau aufklärt und berät, damit falsche Erwartungen im Vorfeld ausgeschlossen werden können.
i>Online Redaktion: Was ist das größte Risiko speziell bei Eingriffen im Gesicht?
Dr. Meyer-Gattermann: Die Verfahren der Ästhetisch-Plastischen Chirurgie sind heute hochentwickelt und sehr sicher. Trotzdem darf man Schönheitsoperationen nicht bagatellisieren. Neben den allgemeinen OP-Risiken sind bei einem Eingriff im Gesicht z. B. immer auch Nervenirritationen möglich. Die größte Gefahr für den Patienten ist ein nicht ausreichend qualifizierter und unerfahrener Chirurg. Deshalb sollte man sich sehr genau überlegen, wohin man sich mit seinem Operationswunsch wendet.
Quelle: Medical One