Eher durch Zufall entdeckte man vor einigen Jahren, dass Frauen aus dem asiatischen Raum deutlich seltener als Europäerinnen unter Wechseljahresbeschwerden und Brustkrebs leiden. Japan verzeichnet weltweit die geringste Rate an hormonell bedingten Krebserkrankungen. Schnell konnte dieser Umstand auf die fernöstliche Ernährungsweise zurückgeführt werden, denn in asiatischen Ländern stehen Sojaprodukte regelmäßig auf dem Speiseplan.
Soja enthält, wie übrigens auch Rotklee und einige Getreidearten, eine große Menge an sogenannten Isoflavonen, eine von drei Klassen der Phytoöstrogene. Diese pflanzlichen Hormone sind den menschlichen Östrogenen in der Struktur sehr ähnlich und haben jede Menge positive Eigenschaften auf unser körperliches Wohlbefinden: sie können Klimakteriums-Beschwerden lindern, schützen vor Herz-Kreislauferkrankungen sowie Osteoporose und senken den Cholesterin-Spiegel.
Im Bier-Bestandteil Hopfen sind nicht unerhebliche Mengen an Phytohormonen enthalten. Zu Zeiten, wo diese Dolden noch per Hand geerntet wurden, zeigte sich die hormonelle Wirkung des Hopfens in unterschiedlicher Weise: Frauen waren nach dem Pflücken in angeregter Stimmung, die Männer eher müde und lustlos.
In den letzten Jahren haben viele Studien belegt, dass die Einnahme von Hormonpräparaten -früher das Mittel der Wahl bei Wechseljahresbeschwerden- das Brustkrebsrisiko erhöhen kann. Deshalb setzen immer mehr Ärzte bei der Hormonersatztherapie auf die natürliche Alternative der Phytohormone. Denn die haben zwar die positiven Effekte der Hormone menschlichen Ursprungs, nicht aber deren Nebenwirkungen, da sie nicht an die Östrogenrezeptoren in Fortpflanzungsorganen und Brustgeweben binden. Auch Männern werden zunehmend Isoflavon-Präparate verschrieben, um so einen Schutz vor Prostata-Krebs zu erreichen.
Grundsätzlich spricht nichts dagegen, seine Ernährung mit Phytoöstrogen-reichen Produkten zu erweitern bzw. entsprechende Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn bereits eine Krebserkrankung besteht. Denn wie kürzlich im Zellkultur-Versuch festgestellt wurde, regen geringe Mengen pflanzlicher Hormone (in dem Fall Genistein und Daidzein) das Wachstum von Mamma-Karzinomzellen an, höhere Konzentrationen wirken widerum hemmend auf deren Wachstum. Diese Beobachtung legt nahe, auch eine Therapie mit Phytohormonen nicht ohne ärztlichen Rat vorzunehmen ist.