Jünger, schöner, vitaler – wer kennt ihn nicht, den Traum vom ewigen Jungbrunnen, von der Schönheit, die niemals vergeht. Längst sind es nicht mehr nur die Frauen, die versuchen, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.
Jeder Mann baut in seiner Kindheit Vorstellungen über sein zukünftiges Leben zu einem inneren Bild, dem Inner Image, zusammen. Mit zunehmendem Alter und unter dem Einfluss von Eltern und Freunden, Ausbildung, Beruf, Partnerschaft und Familie macht er aber tagtäglich Abstriche von diesem Idealbild – er verliert sich aus den Augen. Statt sein Leben aus eigener Kraft zu gestalten, reagiert er mit Kompromissen und mit Konsumverhalten.
Männer sind sehr von Erfolgserlebnissen und Kontrollmöglichkeiten in ihrem Lebens- und Arbeitsbereich abhängig. Diese Erfahrungen werden durch manche Entwicklungen der gegenwärtigen Gesellschaft strukturell begrenzt.
An ihrem Arbeitsplatz wird von Männern eine hohe Verausgabung gefordert, ohne dass befriedigende Erfolgs- und Belohnungserfahrungen folgen. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sich dadurch das Risiko körperlicher und seelischer Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Depressionen etwa um das Doppelte erhöht. Ähnliches gilt für die veränderte Stellung von Männern in Partnerschaft und Familie in Folge des Wandels der Geschlechterrollen.
In der westlichen Gesellschaft hat sich das Schönheitsideal in den letzten Jahrhunderten drastisch gewandelt. Auf barocken Bildern überwiegen die üppigen Schönheiten, während bei den Männern heute zunehmend ein muskulöser Körper gewünscht wird. Die Industriegesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts beutete den Mann als Arbeitskraft aus, sie wollte keinen schönen, kräftigen Körper, sondern einen funktionstüchtigen.
Heute ist eine Körperästhetik der Kraft und Spannung gefragt, die den Mann wie eine Aura umgibt. Diese neue Ästhetik dient dem Einzelnen in seiner Beziehung zur Gesellschaft gewissermaßen als Rückbesinnung auf das klassische Mens sana in corpore sano. Ein normales Gewicht, eine leistungsbereite Muskulatur, ein trainierter Kreislauf und ein freier Geist sind die Grundlage einer neuen Leichtigkeit des Seins.
Die Zeiten, wo Männer stolz auf ihre wettergegerbten Falten waren und wie bei Hemingway nur nach Whisky und Zigarren riechen durften, sind vorbei. Die Männer des neuen Jahrhunderts sollten mittlerweile so weit kosmetisch emanzipiert sein, dass sie selbstbewusst eine Parfümerie oder ein Kosmetikinstitut betreten, um sich hauttypengerecht beraten zu lassen. Auch eine kosmetische Gesichtsbehandlung alle vier bis sechs Wochen wäre anzuraten. Selbst einen Aufenthalt auf einer Wellness- oder Schönheitsfarm sollte ER als ganz normal betrachten. Laut Statistik besuchen mittlerweile zehn Prozent der Männer regelmäßig ein Kosmetikinstitut.